Hanf-Wissen Teil V „Gehört Hanf zu unserer Kultur?“ Von der Geschichte des Hanfes

In den Medien, vor allem aber auch in der Politik wird diese Frage derzeit häufig gestellt – und, das muss man so sagen, oftmals nicht richtig beantwortet. Denn da wird Hanf, oder auch Produkte, die aus dem Nutzhanf gewonnen werden, also beispielsweise Öle, Tinkturen, Derivate etc. als neuartiges Lebensmittel dargestellt. „Novel Food“ nennt man solche neuartigen Lebensmittel dann – also Lebensmittel, die in dieser Form noch überhaupt nicht bekannt sind, die es bisher noch nicht gab. Zumindest nicht vor 1995. Dazu zählen übrigens auch Nahrungsergänzungsmittel. Stevia-Süßungsmittel ist z.B. ein Novel Food, das ist ja bei uns noch nicht allzu lange in Gebrauch. Oder auch Algenöl-Kapseln, die der Nahrungsergänzung dienen und vor 1995 nicht auf dem deutschen Markt zu finden waren. Ebenso Klonfleisch, auch das fällt unter die Novel Food Verordnung. Möchten Sie nun Klonfleisch vertreiben, müssen Sie sich (für sehr sehr viel Geld) eine Lizenz erwerben. Anschließend lassen Sie Ihr Produkt eintragen. Die etwaigen Inhaltsstoffe müssen Sie nachweisen, ebenso die Sicherheit Ihres Produkts. Und erst dann können Sie mit dem Verkauf loslegen. Durch dieses ganze Verfahren sollen die Verbraucher, also Sie und ich, geschützt werden.
So, und nun möchten also einige Politiker, einige Behörden und wahrscheinlich auch einige Lobbyisten, dass Hanfprodukte ebenso unter diese Novel Food Verordnung fallen. Denn Hanfextrakte, Tinkturen, ja sogar Kekse mit Nutzhanfzusatz, so wird behauptet, wären ebenfalls neuartige Lebensmittel.
ABER, wer nur mal einen kurzen Blick ins Internet wirft – sei es bei Wikipedia, auf der Seite vom Hanfhaus, bei austria.legalize.eu, beim Hanfverband, Hanfmagazin oder irgendeiner anderen der unzähligen Seiten – oder wer sich die Mühe macht, ein Hanfmuseum zu besuchen, der findet wirklich viele Nachweise dafür, dass Hanf schon seit Jahrhunderten, nein eigentlich Jahrtausenden – ach, man könnte fast sagen, schon immer zu unserer Kultur gehört.
Damit meine ich einerseits die ganze Menschheitskultur. Denn es gibt hinweise darauf, dass der Hanf in China bereits 10.000 v. Chr. genutzt und geschätzt wurde.
2.800 v. Chr. wurden dort die ersten Seile aus Hanffasern hergestellt, ebenso Textilien. Das älteste erhaltene Hanftextil wurde bei Ausgrabungen in China entdeckt und lässt sich auf 1000 v. Chr. zurück datieren. Ebenso wurde Hanf aber auch als Heilmittel genutzt und in verschiedenen Darreichungsformen gegen Gicht, Malaria, Rheuma, Verstopfung, zur allgemeinen gesundheitlichen Stärkung und vieles mehr empfohlen.
Wer nun sagt: „Na ja in China, was interessiert mich denn China?“, der halte sich nun fest: Der früheste Fund von Hanfsamen in Mitteleuropa lässt sich auf 5.500 v. Chr. datieren. Und wo wurden sie gefunden? In Thüringen und das liegt ja bekanntlich in Deutschland.
In Indien wurde Cannabis in den Veden als heilige Droge verehrt und sollte im rituellen Gebrauch vor dem Bösen schützen. Buddha ernährte sich zeitweilig allein von Hanfsamen (so erzählt man sich zumindest). Germanen und Kelten legten den Verstorbenen Hanfsamen ins Grab.
Die alten Griechen, die Römer, alle schätzten den Hanf, sowohl als Rohstoff für Seile oder Textilien, als Nahrungsmittel und Medikament.
500 n. Chr. findet man Hanfsamen unter dem Namen Hanfosamo in der Zutatenliste von deutschen Backrezepten. Auch die berühmte Heilerin Hildegard von Bingen empfiehlt Hanfsamen zur Linderung von Magenschmerzen. Und möchte man eine Wunde behandeln, solle man dazu ein aus Hanf gefertigtes Tuch verwenden.
Die erste Bibel wurde auf Hanfpapier gedruckt, die Mona Lisa auf Hanfleinwand gemalt und und und. So zieht sich die Verwendung von Hanf durch unsere kulturelle Geschichte. 1940 hat Henry Ford sogar ein Auto aus Hanfplastik gebaut. Ich könnte jetzt noch unzählige weitere Beispiele aufführen. Wer es gerne noch genauer wissen will, dem seien die oben genannten Seiten sehr ans Herz gelegt.
Aber ich denke, die Frage, ob Hanf zu unserer Kultur gehört oder nicht, ist hiermit ausreichend geklärt.
Ja, Hanf gehört zu unserer Kultur. Im Zuge der unsäglichen Prohibition, die nun mit kleiner Kriegsunterbrechung schon beinahe 100 Jahre andauert, wurde dieses Wissen nur leider verdrängt.
Noch eine kleine Anmerkung am Rande, obwohl das dann eigentlich schon fast zum nächsten Thema gehört (ich kann’s mir aber nicht verkneifen):
Zum Glück dauerte die Alkohol Prohibition nicht so lang, sonst hätte man auch hier das Wissen um altes Kulturgut glatt vergessen. Denn die Antwort auf die Frage, warum man denn nun Alkohol konsumieren darf, der ja nachweislich viel schädlicher ist als Cannabis, lautet stets: „Alkohol gehört eben zu unserer Kultur.“ Aber, meine lieben, Hanf gehört MINDESTENS EBENSO zu unserer Kultur.

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